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Leseprobe:

 

Die magische Kugel

Amanda traute ihren Augen nicht, als die Zwerge urplötzlich vor ihr

standen. Eine ganze Armee mit Äxten bewaffnet, wie aus dem Boden

gestampft. Sie brachte kein einziges Wort heraus, und ihr Herz

klopfte recht heftig. Wegrennen war schier unmöglich. Die kleinen

Zipfelmützenmänner schauten böse drein und nahmen sie mit zu

ihrem König.

Nach zwei Tagen in einem kalten und ungemütlichen Verlies wurde

sie wieder freigelassen, musste aber versprechen, niemals wiederzukommen.

Der Zwergenkönig brachte sie höchstpersönlich bis zu einem

breiten Pfad und sagte zum Abschied: „Du gehst immer geradeaus,

bis du zu den vier Türen kommst. Nur eine davon führt dich

nach Hause, aber welche das ist, weiß ich nicht. Darum vertraue auf

dein Bauchgefühl, überlege gut, denn du hast nur einen Versuch.“

Bevor Amanda noch etwas sagen konnte, war der König verschwunden.

Sie hatte erst ein kleines Stück des Weges zurückgelegt, als ihr bereits

die Puste ausging. Außerdem taten ihr die Füße höllisch weh.

Der Pfad war steinig, die Kiesel bohrten sich in die dünnen Sohlen

ihrer Sandalen. Sicher war es nicht schlimm, wenn sie sich einen

Moment ausruhte. Nur ganz kurz. Der Baumstumpf war hart, aber

für eine kleine Pause musste es gehen. Amanda atmete tief die Waldluft

ein und lauschte. Doch bis auf das Gezwitscher der Vögel war

zum Glück alles ruhig. Die Zwerge verfolgten sie nicht.

Dann ging sie weiter und blieb etwa drei bis vier Meter von den vier

geschlossenen Türen entfernt stehen. Eine sah aus wie die andere,

doch welche führte in die Freiheit? Noch während Amanda fieberhaft

überlegte und auf ihr Bauchgefühl wartete, hörte sie plötzlich

in der Ferne Stimmen. Holten die Zwerge sie womöglich wieder zurück,

oder waren es andere Wesen, die sie fangen wollten? Amanda

zitterte jetzt am ganzen Körper. Vier Türen – doch welche führte

nach Hause?

Die Stimmen wurden immer lauter. „Jetzt nur nicht schlapp machen!“,

redete sie sich gut zu. Ihr Herzschlag raste. Augen zu und

durch. Sie würde blind auf die Türen zugehen. Ihr war jetzt egal,

welche sie erwischte. Hauptsache, weit weg von der lauernden Gefahr.

Aber ihre Füße waren wie festgewachsen.

Die Verfolger kamen immer näher. Gleich würden sie hier sein.

Doch da setzten sich ihre Beine endlich in Bewegung, wie in Zeitlupe,

aber sie gingen vorwärts. Amanda hatte immer noch die Augen

geschlossen, als sie eine der Türen erreichte. Der Türgriff fühlte sich

kalt in ihrer vor Angst feuchten Hand an und ließ sich nur schwer

nach unten drücken. Dann hatte sie es geschafft. Als die Tür hinter

ihr zufiel, atmete Amanda erleichtert auf. Von einer himmlischen

Ruhe umgeben, schlug sie vorsichtig die Augen auf und schaute sich

um. Die ersehnte Freiheit sah anders aus.

Sie stand in einem großen Raum, dessen Wände bis unter die hohe

Decke mit Bücherregalen zugestellt waren. Ein wenig Helligkeit fiel

lediglich durch eine Glastür, gerade so, dass sie etwas erkennen

konnte. Ein Regal allerdings war völlig leer, während die anderen

mit Büchern geradezu überladen waren.

Etwa in der Mitte des Zimmers standen noch ein Sessel und ein

recht großer Schreibtisch. Alle Möbel bis auf den Sessel waren aus

dunklem Holz.

Amanda, die jetzt endlich nach Hause wollte, beendete ihre Betrachtung,

drehte sich zur Tür, um den Raum zu verlassen. Doch zu ihrem

Entsetzen sah sie, dass der Griff fehlte.

„Nur keine Panik“, redete sie sich ein. „Es gibt hier bestimmt einen

Schlüssel für die Tür.“

Sie ging zum Schreibtisch, der von einer Staubschicht überzogen

war. Wie von Zauberhand ging das Licht einer Stehlampe an. Als

Amandas Augen sich an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten,

sah sie ein aufgeschlagenes Buch, aus dem recht unprofessionell eine

Seite herausgerissen war. Sie öffnete noch einige Schubladen, doch

einen Schlüssel fand sie nicht. Dann entdeckte sie am äußeren Rand

des Tisches eine Kristallkugel, von der in dem Moment, als sie sie

wahrgenommen hatte, ein seltsames Funkeln ausging. Amanda

nahm sie in die Hände und wischte vorsichtig den Staub fort. Als

sie in das Glas blickte, sah sie ein Gesicht … Es war ihr eigenes …

 


 

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Und jetzt wünsche ich euch viel Freude am Lesen!
Herzliche Grüße

Brigitte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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